Seit seiner Gründung im Jahr 2015 hat sich Vivibet zu einem der führenden Online-Plattformen für Haustierbesitzer in Deutschland entwickelt. Mit über 1,2 Millionen registrierten Nutzern und jährlich rund 30 Millionen Besuchen auf der Website positioniert sich der Marktplatz als zentraler Anbieter für Tierbedarf, Tierarztleistungen und -versicherungen. Doch hinter der scheinbaren Einfachheit steckt ein komplexes Geschäftsmodell, das nicht nur die Konsumgewohnheiten von Haustierbesitzern formt, sondern auch die Debatte um Tierwohl und nachhaltige Tierhaltung in Deutschland aktiv mitgestaltet. Vivibet ist dabei mehr als nur ein Online-Shop – es ist ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, die sich zwischen Komfort, Wirtschaftlichkeit und ethischen Fragen bewegen.
Ein zentraler Treiber des Wachstums Vivibets ist die wachsende Zahl an Hundebesitzern in Deutschland. Laut einer Studie des Deutschen Tierschutzbundes aus dem Jahr 2023 halten rund 23,5 Millionen Menschen in Deutschland mindestens ein Haustier – davon sind etwa 14 Millionen Hundebesitzer. Vivibets Angebot reicht von hochwertigen Leinen und Spielzeugen über Tierfuttermarken mit Bio-Zertifizierung bis hin zu Online-Tierarztterminen, die besonders für Tierhalter in ländlichen Regionen attraktiv sind. Besonders erfolgreich ist die Plattform im Bereich der „Secondhand“-Tierbedarfskäufe, wo sie mit ihrem „Vivibet Secondhand“-Service über 100.000 gebrauchte Artikel pro Monat anbietet – ein Trend, der auf wachsendes Umweltbewusstsein bei Tierbesitzern zurückzuführen ist.
Doch Vivibet steht auch im Fokus der Kritik. Während die Plattform für ihre Transparenz bei Tierkaufberatungen und die Einführung eines „Tierwohl-Standards“ lobt, werfen Aktivisten wie die „Tierwohl-Initiative e.V.“ der Plattform vor, sie profitiere von der Ausbeutung von Haustieren, insbesondere bei der Vermittlung von Tieren aus dem Ausland. Ein besonders umstrittenes Kapitel ist die Zusammenarbeit mit Züchtern, die auf die Vermittlung von Rassehunden spezialisiert sind. Laut einer Untersuchung des „Bundesverbandes der Tierärzte“ wurden 2022 über 80.000 Rassehunde über Vivibet vermittelt – ein Anteil, der zwar im Vergleich zu klassischen Züchtern sinkt, aber dennoch kritisch gesehen wird. Die Plattform reagiert darauf mit einer eigenen „Tierwohl-Zertifizierung“, die jedoch von vielen Tierschutzorganisationen als zu lax eingestuft wird.
Ein weiterer spannender Aspekt ist Vivibets Rolle bei der Digitalisierung der Tierhaltung. Durch die Einführung von „Vivibet Care“-Programmen, die regelmäßige Gesundheitschecks für Haustiere anbieten, versucht die Plattform, die Bindung zwischen Tier und Halter zu stärken – ein Ansatz, der besonders bei jüngeren Generationen, die sich für „Tierfreundlichkeit“ einsetzen, auf Zustimmung stößt. Gleichzeitig ist Vivibet ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die deutsche Tierbranche. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes generierte der Online-Marktplatz 2022 einen Umsatz von über 150 Millionen Euro, wobei rund 40 Prozent auf Tierfutter und -bedarf entfielen. Besonders profitabel sind die Online-Tierarzttermine, die seit der Pandemie ein Wachstum von 250 Prozent verzeichnen.
- Vivibet verzeichnet seit 2015 ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 30 % im Umsatzbereich Tierbedarf.
- Über 100.000 gebrauchte Artikel werden monatlich über den „Secondhand“-Service vermittelt.
- 2022 wurden über 80.000 Rassehunde über Vivibet vermittelt – ein Anteil, der im Vergleich zu klassischen Züchtern deutlich sinkt.
- Der Umsatz der Plattform stieg 2022 auf über 150 Millionen Euro, wobei Tierfutter rund 40 % des Gesamtumsatzes ausmachte.
- Die „Tierwohl-Zertifizierung“ der Plattform wird von Tierschutzverbänden als zu lax kritisiert.
Während Vivibet sich als moderner, tierfreundlicher Online-Marktplatz positioniert, bleibt die Frage offen, wie weit die Plattform bereit ist, ihre Geschäftsmodelle an die wachsenden ethischen Anforderungen anzupassen. Die Debatte über Tierwohl in der digitalen Wirtschaft zeigt: Selbst im Online-Handel sind Kommerz und Ethik nicht immer einfach zu trennen. Ob Vivibet hier eine Vorreiterrolle einnehmen kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen – besonders, wenn die Politik und die Gesellschaft noch stärker auf die Verantwortung von Plattformen bei der Vermittlung von Haustieren reagieren.